Die meisten Menschen schauen zuerst auf die Signatur. Das ist verständlich und führt am häufigsten in die Irre. Diese vier Punkte bringen Sie weiter.
Drehen Sie das Bild um. Alte Etiketten von Galerien, Ausstellungen oder Auktionshäusern, Zollstempel, Kreidenummern, Nachlassstempel, handschriftliche Notizen – das ist die Biografie des Werks. Ein einziges Etikett mit einer Losnummer kann einen Katalogeintrag von 1954 auffindbar machen und damit die Lücke in der Herkunftsgeschichte schliessen.
Auch der Bildträger selbst spricht. Handgeschmiedete Nägel, ein Keilrahmen mit Holzkeilen, die Webstruktur einer alten Leinwand, die Wurmgänge in einer Holztafel, eine Parkettierung auf der Rückseite: Alles das grenzt die Entstehungszeit ein. Eine maschinell grundierte Leinwand aus dem Malbedarf spricht gegen das 17. Jahrhundert, ganz gleich, was vorne steht.
Eine Signatur beweist wenig. Sie kann echt sein, später hinzugefügt worden sein oder von Anfang an falsch gewesen sein – gerade bei gefragten Namen wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert reichlich nachgeholfen. Umgekehrt sind viele hervorragende alte Gemälde überhaupt nicht signiert, weil das damals nicht üblich war.
Aussagekräftiger ist die Handschrift der Malerei selbst: der Pinselduktus, die Behandlung von Händen und Augen, der Aufbau der Schichten, die Farbpalette. Das ist der Grund, weshalb Fachleute ein Werk auch ohne Signatur einordnen können – und weshalb eine Signatur allein niemanden überzeugt.
Nehmen Sie eine Lupe. Sehen Sie ein regelmässiges Punktraster, handelt es sich um einen Druck – unabhängig davon, wie schön der Rahmen ist. Manche Drucke sind mit einer Firnisschicht und aufgesetzter Struktur so bearbeitet, dass sie aus zwei Metern Distanz wie Ölgemälde wirken; unter der Lupe fällt das sofort auf.
Bei einem echten Gemälde folgt die Oberflächenstruktur dem Motiv: Dort, wo Licht gesetzt ist, liegt die Farbe dicker. Bei einer gedruckten Struktur läuft das Muster gleichmässig über das ganze Bild, auch über den Himmel.
Eine handgemalte Kopie ist etwas anderes als ein Druck – sie kann durchaus Wert haben, gerade wenn sie alt ist und gut. Kopien nach berühmten Vorlagen wurden jahrhundertelang als Ausbildung und als legitime Ware hergestellt. Sie sind kein Betrug, sondern eine eigene Kategorie.
Im Kunsthandel haben die Formulierungen eine feste Bedeutung, und zwischen ihnen liegen oft Zehnerpotenzen im Preis. «Giovanni Battista Tiepolo» heisst: eigenhändig. «Zugeschrieben» heisst: wahrscheinlich von ihm, nicht gesichert. «Werkstatt» heisst: in seinem Atelier entstanden, unter seiner Aufsicht. «Umkreis» oder «Nachfolge» heisst: aus seinem Umfeld oder in seiner Art, aber von fremder Hand. «Art des» heisst: später, im Stil.
Wer ein Bild verkauft, sollte diese Begriffe kennen, bevor jemand anders sie verwendet. Und wer ein Angebot erhält, in dem sie fehlen, sollte danach fragen.
Feine Alterssprünge im Farbauftrag – das Craquelé – sind normal und sprechen eher für als gegen ein Werk. Auch ein alter, vergilbter Firnis ist kein Drama; er lässt sich fachgerecht abnehmen, und darunter kommt oft eine überraschend frische Malerei zum Vorschein.
Kritisch sind grossflächige Übermalungen, Fehlstellen in Gesichtern und Händen, sowie Restaurierungen, bei denen mehr ergänzt als erhalten wurde. Ein Werk, das zu 40 Prozent aus der Hand eines Restaurators stammt, ist wirtschaftlich ein anderes Bild.
Wichtig: Lassen Sie vor einer Beurteilung nichts restaurieren. Eine Reinigung kann sinnvoll sein – aber erst, wenn feststeht, was das Werk ist und ob sich der Aufwand lohnt. In der falschen Reihenfolge zahlen Sie zweimal.
Senden Sie uns zwei bis drei Fotos und die Masse. Sie erhalten innert weniger Tage eine ehrliche Ersteinschätzung – kostenlos, unverbindlich und auch dann, wenn wir absagen.
Werk zeigen